10.12.2011

Rezension: Karim El-Gawhary - Tagebuch der arabischen Revolution

 Von Daniel Roters

Kein anderer deutschsprachiger Journalist nutzt die neuen Medien so intensiv wie Karim El-Gawhary, Leiter des ORF-Büros in Kairo. Mit seinem neuen Buch "Tagebuch der arabischen Revolution" beweist er, dass er ein Näschen hat für innovativen, spannenden und trotzdem unaufgeregten Journalismus.

El-Gawhary begann sich ein halbes Jahr vor den Ereignissen des Frühlings 2011 mit Facebook und Twitter zu beschäftigen. Auch ein Weblog mit dem Titel Arabesken berichtete fortan aus der Region. Nur wenige nahmen ein leises Brummen, ein sonores Grummeln in Tunesien oder Ägypten wahr. Zum Glück war auch Karim El-Gawhary einer von ihnen. Dank seines Internet-Journalismus liegt uns nun mit "Tagebuch der arabischen Revolution" ein Zeitdokument vor.

Texte aus seinem Blog, Statusmeldungen aus dem Facebook und sogar Transkiptionen von Live-Schaltungen des ORF zu Karim El-Gawhary packen mich. Ich fühle mich als erlebte ich alles noch einmal. Die Tage der Anspannung, der Traurigkeit, der Sorge um meine lieben Freunde in Kairo. Ich habe tatsächlich während des Lesens  den Eindruck, ich sei in Tunesien, in Libyen und in Ägypten gleichzeitig. Jede Seite ist ein Abbild der Ereignisse aus dem Frühjahr, ein Art gedruckte Zeitmaschine auf 237 Seiten.

Und es ist authentisch: Im Gegensatz zu anderen Journalisten hat El-Gawhary nicht nur ein paar laue Sommernächte in Kairo oder Bengasi verbracht, um dann ins ein Flugzeug zu steigen und gen Westen zu fliegen. Er war vor Ort, bei den Menschen und ihren Geschichten.

Spannend, journalistisch präzise und vor allem herrlich unaufgeregt ist El-Gawharys Journalismus. Zwischen zwei Buchdeckeln findet der Leser die Essenz aus mehreren Monaten, in denen die Welt den Atem anhielt und in Richtung arabischer Welt blickte. Nach der Lektüre weiß der Leser dann auch, warum El-Gawharys Artikel nicht nur informieren, sondern mitreißen: Sein Texte sind aber nicht nur gründlich und präzise recherchiert, sondern auch persönlich - ohne dem Leser unangenehm aufzufallen. Gefällt mir!

Tagebuch der arabischen Revolution von Karim El-Gawhary, erschienen bei Kremayer & Scheriau (Wien) im September 2011

0 Kommentare:

Kommentar posten