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24.02.2011

"Nubische Garden"

Der Einsatz schwarzafrikanischer* Söldner in Libyen setzt eine unselige, über 1000-jährige Tradition arabischer Autokraten fort

Von Marco Schöller

I
Seit Freitag hat es zunächst wenige und unsichere, dann immer mehr und bestätigte Nachrichten gegeben, daß das Gaddafi-Regime in Libyen Söldner aus subsaharischen Staaten einsetzt, um gegen das libysche Volk vorzugehen. Inzwischen ist das unbestreitbar, nicht zuletzt auch dank der Photos und Videos aus Libyen, die im Internet und den internationalen TV-Kanälen kursieren. Mehrere Videos zeigen überwältigte Söldner, tot oder lebendig.

Auch über die Herkunft dieser Söldner weiß man inzwischen mehr, denn es scheint sich v.a. um Soldaten aus Guinea und dem Tschad, möglicherweise auch aus Niger und Nigeria zu handeln; entsprechende Dokumente, die z.B. eine Verbindung zu Guinea belegen, wurden bei überwältigten Söldnern gefunden. Die Frage der Herkunft war über mehrere Tage unsicher: Zuerst hieß es, sie stammten aus Mali, und im Internet meldete man auch, daß "koreanische" Söldner und solche aus Bangladesh beteiligt seien. Letztere Meldung konnte nicht bestätigt werden. Bereits am Samstag wurde nach französischen Angaben berichtet, die Söldner seien Separatisten aus dem Sudan und dem Tschad, die in Libyen Trainingslager hätten und eigentlich für den Kampf in Darfur gedacht seien. Gleichzeitig wurde mehrfach gemeldet, Söldner würden für den Kampf in Libyen erst eingeflogen. Über die Anwerbung und den Transport der Söldner kursierten dann am Montag und gestern zahlreiche Gerüchte, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen läßt. So hieß es, das libysche Regime plane, Flugzeuge ziviler Fluggesellschaften auf libyschen Flughäfen zu requirieren, um Söldner einzufliegen; ein Gesandter Gaddafis soll sich in Kairo (umsonst) darum bemüht haben, Luftraum für diesen Zweck "einzukaufen". Schließlich wurde behauptet, daß in mehreren subsaharischen Staaten – Guinea und Nigeria wurden explizit genannt – Handzettel kursieren sollen, die einen Tagessold von $ 2000 oder mehr versprachen, falls sich Männer zum Kampf in Libyen meldeten. Alle diese Meldungen sind nicht bestätigt.
Videos, die schwarzafrikanische Söldner zeigen sollen

06.02.2011

Wie die USA zum ersten Mal offizielle Kontakte mit islamischen Potentaten knüpften / 2

Eine denkwürdige Geschichte in mehreren Episoden – Teil 2

Ein historischer Essay von Marco Schöller


III
Seit dem Spätherbst 1793 befanden sich über 100 amerikanische Seeleute in Gefangenschaft in Algier, und die ersten Bemühungen der US-Regierung, ihre Leute freizukaufen, waren zunächst gescheitert: einerseits durch mißliche Umstände, andererseits durch das Wirken britischer Agenten hinter den Kulissen. Aber die bisherige Politik Großbritanniens, eine Verständigung der USA mit dem Dey in Algier zu verhindern, wurde gegen Ende 1794 modifiziert, nachdem die Briten im November 1794 einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten abgeschlossen hatten.

05.02.2011

Wie die USA zum ersten Mal offizielle Kontakte mit islamischen Potentaten knüpften

Eine denkwürdige Geschichte in mehreren Episoden – Teil 1

Ein historischer Essay von Marco Schöller

Man spricht in diesen Tagen häufig über die besondere Rolle der USA für die Geschicke der islamischen, insbesondere nahöstlichen Welt. Zuweilen hat man den Eindruck, der Aufstand in Ägypten könne ohne die Beteiligung der USA nicht stattfinden. Die westlichen Medien, so scheint es, widmen den Forderungen der Demonstraten auf Kairos Straßen oft weniger Aufmerksamkeit als den noch so unbedeutenden Kommentaren amerikanischer Hinterbänkler zur aktuellen Situation; nach jeder Rede Mubaraks im ägyptischen Fernsehen meldet sich der amerikanische Präsident zu Wort und gibt der Welt zu verstehen, welchen Lauf die Dinge zu nehmen haben.

01.02.2011

Wenn die Sandale fliegt: Historisches zu einem »Gestus der Revolte« bei den Arabern

Von Marco Schöller

Daß das Ausziehen der Schuhe und ihr anschließender Wurf auf mißliebige Personen zu den Protestbräuchen in der arabischen Welt zählt, ist in der westlichen Welt bekannt, seit ein aufgebrachter irakischer Journalist während einer Pressekonferenz im Dezember 2008 seinen Schuh auszog, ihn in Richtung des U.S.-amerikanischen Präsidenten George W. Bush schleuderte und diesen nur knapp verfehlte. Bush duckte sich geistesgegenwärtig und konnte dem Geschoß ausweichen, aber das Video der Szene ist bis heute ein Klassiker auf YouTube. Und gestern, als am Tag des »Marsches der Million« die ägyptischen Demonstranten auf dem Tahrîr-Platz im Zentrum Kairos versammelt waren, gingen Bilder um die Welt, die zeigten, wie aufgebrachte Ägypter ihre Schuhe hochhielten ... und sie wohl auf den verhaßten Präsidenten Mubarak geworfen hätten, wenn er nur zur Stelle gewesen wäre.

23.01.2011

Gold im Ärmel: Gier und Moral eines Autokraten, Tunesien Anno Dazumal


Von Marco Schöller

Golddinar, geprägt unter Ziyâdat-Allâh
Über die Cliquenwirtschaft des Ben-Ali-Regimes ist die westliche Öffentlichkeit in den letzten Tagen ausführlich unterrichtet worden. Mit der Ausbeutung des Landes zur persönlichen Bereicherung verbindet man inzwischen v.a. den Namen von Laila Trabelsi, der Gattin des gestürzten tunesischen Präsidenten. Ob sie tatsächlich nicht weniger als 1,5 Tonnen Gold außer Landes brachte, scheint kaum glaubhaft und wurde von der tunesischen Staatsbank bereits dementiert; vermutlich wird es wahr sein. Ob sie kurz vor ihrem Abflug sagte: »Packt erst das Gold ein und hängt dann alle auf!« ist nicht zu klären. Die BILD-Zeitung taufte sie »die gierige Leila«, in ausländischen Medien wurde sie als »Imelda Marcos von Tunis« betitelt.