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16.05.2011

Händchenhaltende Syrer

Von Paula Manstetten

Vorbemerkung der Redaktion:
Der folgende Text bezieht sich auf den Artikel »Ein kurzes Jahr an der Uni Damaskus«, der am 10. Mai 2011 auf ZEIT-Online veröffentlicht wurde. Frau Manstetten ist Studentin an unserem Institut.

Letztes Wochenende erschien in der Onlineausgabe der ZEIT ein Artikel über mich – als deutsche Studentin an der Universität Damaskus.  Zeitungsartikel sind, wenn man sie nicht selbst schreibt, nie ganz so, wie man es sich gewünscht hätte. Daher möchte ich im Folgenden einige Anmerkungen loswerden und manches klarstellen.

Der Kontakt zu der Journalistin, die übrigens selbst  noch eine Studentin ist, kam zufällig zustande, und ich sah ihre Anfrage, einen Artikel über mich schreiben zu dürfen, als Chance, mit einigen Vorurteilen über Syrien aufzuräumen. Ich nahm sie in eine Vorlesung an der Uni und auch zu mir nach Hause in meine Gastfamilie mit. Wir führten ein langes Gespräch, insbesondere darüber, wie sich der Alltag in Syrien meistern lässt und wie es einer Ausländerin wie mir gelingen kann, sich in Syrien zu »integrieren« – wenigstens bis zu dem Grade, dass man sich nicht mehr als Außenseiter fühlt. Aufgrund der politischen Lage änderte sich im Nachhinein das Thema des Artikels, und von unserem Gespräch blieben leider nur einige Marginalien stehen, die, wie ich meine, doch ein etwas verzerrtes Bild von Syrien (und vielleicht auch von mir) vermitteln könnten.


07.04.2011

Gazelle-Magazin

Das multikulturelle Frauenmagazin Gazelle steht vor dem Aus. 1000 Jahres-Abos würden reichen, damit die Chefredakteurin Sineb El Masrar und ihre Truppe weiterarbeiten können. Das Jahres-Abo kostet jährlich nur 18 €.

Was man zu tun hat, erfahrt ihr hier.

Weiteres zur Aktion hier: Rettung des Gazelle-Magazins: Hall of Fame.




Eigenbeschreibung des Gazelle-Magazins:
Gazelle ist ein eigenfinanziertes und unabhängiges Frauenmagazin, welches auf Grund seiner Themenschwerpunkte und seiner Zielgruppe einzigartig ist. Gazelle ist das erste und einzige multikulturelle Frauenmagazin in Deutschland. Gazelle beschäftigt sich mit spezifische Problemen, Bedürfnissen und Interessen der in der Bundesrepublik lebenden Migrantinnen und deutschen Bürgerinnen und bietet somit eine einzigartige Plattform zum Austausch. Gazelle fördert daher das interkulturelle Verständnis auf Augenhöhe.

22.03.2011

Presseschau für den 22. März: Stimmen und Kommentare zum Krieg in Libyen

Aktualisiert um 21.30 Uhr

(Phyllis Bennis, aljazeera.net / 22.03.2011)
Despite its official UN-granted legality, the credibility of Western military action in Libya is rapidly dwindling.

(Corriere della Sera / 22.03.2011)
Intesa sulla guida della coalizione: «Per l'Alleanza un ruolo chiave nella struttura di comando»

(ANTONINO CAFFO, lastampa.it / 22.03.2011)
Il sito americano Global Security pubblica un report sullle armi in mano agli uomini di Gheddafi.

(lexpress.fr / 22.03.2011)
Les pays membres de l'Otan s'employaient toujours mardi à surmonter leurs désaccords et à déterminer qui prendra la direction des opérations anti-Kadhafi lorsque les Etats-Unis se mettront en retrait.

(Elizabeth Pineau, lepoint.fr / 22.03.2011)
Malgré quelques bémols et mises en garde, une quasi-unanimité a prévalu mardi au Parlement dans le débat sur l'intervention militaire en Libye, où la France parle déjà d'organiser la paix. A l'exception du Parti communiste, l'ensemble de la classe politique a approuvé les opérations armées lancées samedi pour empêcher le colonel Mouammar Kadhafi d'attaquer sa population.

(Michael Martens, FAZ.net / 22.03.2011)
Ankara ist in der Libyen-Frage in einer schwierigen Position: Einerseits will es gefragt werden, dabei sein und gestalten - dann aber erschrickt es vor den Zumutungen der Wirklichkeit. Mittlerweile lehnt Ministerpräsident Erdogan einen Einsatz gegen Gaddafi aber nicht mehr kategorisch ab.

(Hauke Friederichs, ZEIT.de / 22.03.2011)
Die Allianz zeigt sich seit Tagen handlungsunfähig. Auch die EU-Staaten können sich nicht auf eine Außenpolitik einigen. Libyen wird zur Krise der westlichen Bündnisse.

Nato in der Sackgasse
(Stefanie Bolzen, welt.de / 22.03.2011)
Stundenlange Sitzungen im Brüsseler Hauptquartier brachten keine Bewegung: Auch am vierten Tag nach Verabschiedung der UN-Resolution haben die 28 Nato-Mitglieder weiter um das Kommando beim Libyen-Einsatz gerungen. Statt Einigkeit herrscht Chaos, verursacht durch das britische und französische Vorpreschen und die damit einhergehenden sehr unterschiedlichen Positionen einzelner Mitglieder.

"Der Westen hat keine gemeinsame Strategie": Interview mit Otfried Nassauer
(cicero.de / 22.03.2011)
Die Intervention der Alliierten in Libyen geht weiter und wirft die Frage nach der Legitimität eines solchen Einsatzes auf. Welche Ziele werden eigentlich verfolgt und auf welcher rechtlichen Grundlage? Ein Interview mit dem Friedensforscher und Militärexperten Otfried Nassauer.

Top Ten Ways that Libya 2011 is Not Iraq 2003
(Juan Cole, www.juancole.com / 22. 03.2011)
The differences between George W. Bush’s invasion of Iraq in 2003 and the current United Nations action in Libya.

Libyen: Die flüchtige Macht der Rebellen
(Jonathan Stock, SPIEGEL-Online / 22.03.2011)
Sie wollen die Macht in Libyen übernehmen - doch die Regierung der Rebellen in Bengasi ist ein flüchtiges Gremium: Der Chef hält sich versteckt, gemeinsame Treffen gibt es nicht, selbst viele Namen sind geheim. Im Interview erklärt der Generalsekretär, wie seine Leute die Zukunft des Landes organisieren wollen. 

Nato-Strategie in Libyen: Getrennt bombardieren, gemeinsam streiten
(Carsten Volkery, SPIEGEL-Online, 22.03.2011)
Zank lähmt das westliche Militärbündnis wie selten zuvor in seiner Geschichte. Seit Tagen debattiert die Nato, wer das Kommando im Libyen-Einsatz übernehmen soll - doch selbst wenn bald ein Kompromiss steht: Es fehlt die politische Strategie für den Angriff.

Luftangriffe auf Libyen: Gefangen in Gaddafis kleiner Welt
(Tomas Avenarius, sueddeutsche.de/qantara.de / 22.03.2011)
Werden Europa und die USA in die Wirren eines neuen Konflikts in der islamischen Welt verwickelt? In Libyen droht ein Bürgerkrieg, der die Region auf Jahre destabilisiert. Der Angriff der Alliierten könnte das Blatt wenden – und der Westen am Ende bei den Arabern an Glaubwürdigkeit gewinnen. Ein Kommentar von Tomas Avenarius

John McCain: U.S. Military Strikes In Libya Averted 'Horrible Blood Bath'
(huffingtonpost.com / 22.03.2011)
Sen. John McCain says the military strikes against Libya were necessary because there would have been "a horrible blood bath" under besieged strongman Moammar Gadhafi without international intervention.

Dibattito: Pro o contro l'intervento militare in Libia? Un mondo vecchio in guerra
(Gianni Vattimo, micromega-online / 22.03.2011)
In ogni caso, la questione si pone con urgenza. Le tecnologie invecchiano, come Fukushima insegna. Tutto il nostro mondo è troppo vecchio: è vecchio l’Fmi, è vecchia l’Europa, è vecchia l’Onu. E, alla prossima crisi, i Bric non staranno a guardare.

Bomben treffen Zivilisten: Internationale Kritik an westlicher Militärintervention in Libyen wächst
(hintergrund.de / 21.03.2011)

Libyen: „Keine Bombe bringt Frieden“
(Radio Vatikan / 22.03.2011)
Der aus Italien stammende Bischof in Tripolis, Giovanni Innocenzo Martinelli, hält der internationalen Staatengemeinschaft zudem mangelnde diplomatische Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts in Libyen vor.

Lybien: Eingreifen oder nicht? - Wozu drängt oder rät der christliche Glaube?
(Heinz-Gerhard Justenhoven, Erzbistum Hamburg / 22.03.2011)
Video-Interview mit Prof. Justenhoven vom Institutes für Theologie und Frieden


Aktualisiert um 13.00 Uhr

Steinbach kritisiert Militäreinsatz gegen Libyen
(Neue Presse Hannover / 22.03.2011)
Der Nahostexperte Udo Steinbach kritisiert den internationalen Militäreinsatz gegen Libyen scharf. "Dieser Militäreinsatz ist in höchstem Maße fragwürdig, die Folgen sind unkalkulierbar", sagte Steinbach der "Neuen Presse" (Dienstagsausgabe) aus Hannover.


Völkerrecht contra Bürgerkrieg: Die Militärintervention gegen Gaddafi ist illegitim
(Reinhard Merkel, FAZ.net / 22.03.2011)
Die Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrats vom 17. März, die den Weg zur militärischen Intervention in Libyen freigab, und Maß und Ziel dieser Intervention selbst überschreiten die Grenzen des Rechts. Nicht einfach nur die Grenzen positiver Normen – das geschieht im Völkerrecht oft und gehört zum Motor seiner Entwicklung. Sondern die seiner Fundamente: der Prinzipien, auf denen jedes Recht zwischen den Staaten beruht. Die Entscheidung der Bundesregierung, der Resolution nicht zuzustimmen, war richtig.


Nato und Libyen: Die Stärke der Schwachen
(Steffen Hebestreit, fr-online / 22.03.2011)
Die Nato preist sich selbst gern als mächtigstes Militärbündnis. Gegenseitige Unterstützung versichern sich die Mitglieder der Allianz, die auf 28 Mitglieder angewachsen ist. Doch die Militäraktion gegen Gaddafi sorgt für Streit – und lähmt das Engagement der Nato.


Gabriele Albertini im Gespräch zu Libyen: "Die Menschenrechte der Zivilbevölkerung schützen"
(Europäisches Parlemant, Pressemitteilung / 22.03.2011)
Seit dem Wochenende wird die Flugverbotszone über Libyen militärisch durchgesetzt, um Zivilisten zu schützen. Davor konnten sich die Rebellen nur schwer gegen Gaddafis Gegenoffensive verteidigen, die internationale Gemeinschaft fürchtete eine humanitäre Katastrophe. Am 10. März machten sich die Abgeordneten des EU-Parlaments für ein Flugverbot stark. Wir sprachen darüber mit dem italienischen EU-Abgeordneten Gabriele Albertini (EPP), Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten.


Guerre en Libye, le coût pour la France
(Emmanuel Cugny, france-info.com / 22.03.2011)
La guerre en Libye … la France est engagée aux côtés de la Grande-Bretagne et des Etats-Unis. La guerre a toujours un coût … que peut-on dire à ce sujet pour la France?


Libye: Une guerre pour quoi?
(francesoir.fr / 22.03.2011)
Les première dissensions se font entendre au niveau de la coalition internationale. Le Congrès américain a dénoncé l'engagement des États-Unis. Dans d'autre pays, de plus en plus de voix s'élèvent.


Pour ou contre l'intervention en Libye?
(Isabelle Hachey & Laura-Julie Perreault, cyberpresse.ca / 22.03.2011)
Les pays de l'OTAN ont eu droit à de vigoureux débats hier. Des chefs politiques, dont le premier ministre russe, Vladimir Poutine, ont durement critiqué les premières frappes aériennes. Et le mécontentement est en train de gagner le Québec. Pour ou contre l'intervention? Voici deux points de vue.


Streitfall Libyen-Einsatz Deutsche Außenpolitik - eine Farce
(Joschka Fischer, sueddeutsche.de / 22.03.2011)
Was hat sich der deutsche Außenminister dabei gedacht? Erst schlug er sich auf die Seite der arabischen Freiheitsrevolutionen, ließ sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo feiern, dann forderte er den Sturz Gaddafis - nur um schließlich im Sicherheitsrat den Schwanz einzuziehen. Mit einer an Werte gebundenen Außenpolitik hat das nicht viel zu tun gehabt.


Cohn-Bendit zu Libyen-Debatte: "Ich verstehe meine eigene Partei nicht"
(SPIEGEL-Online / 22.03.2011)
In der Libyen-Frage waren die Grünen erst für die deutsche Enthaltung im Uno-Sicherheitsrat - nun sind sie dagegen. Auch andere Parteien lavieren. Daniel Cohn-Bendit, Grünen-Fraktionschef im Europa-Parlament, kritisiert im Interview seine Partei und attackiert Kanzlerin Merkel.


More unanswered questions over Libya
(dailymail.co.uk / 22.03.2011)

Libyan operation hampered by confusion, dispute
(Ewen MacAskill & Nick Hopkins, observer.ug / 22.03.2011)
Lack of resolution over who will take control of military operation tests patience of US. The US has showed signs of exasperation with its European partners amid confusion over who will take control of the Libyan operation from America.


Libyan bombing 'unconstitutional', Republicans warn Obama
(Ewen MacAskill, guardian.co.uk / 22.03.2011)
US public opinion split as Republicans claim Obama's use of military force in Libya is 'an affront to our constitution'


The Shoals of Tripoli
(Dominic Tierney, theatlantic.com / 22.03.2011)
Obama must navigate rival agendas from the international coalition flying through Libyan skies. Is the mission to stop Qaddafi from harming civilians or to compel his surrender?


War is peace: A Reply
(Oliver Duggan, independent.co.uk / 22.03.2011)
Here we go again. As military operations wind down in Iraq and the consistent trickle of casualties in Afghanistan are over-shadowed by the thousands drowned in Japan and the hundreds battered in Northern Africa,  the anti-war protesters need a new hook from which to hang their banner. So, in the name of shouting loudest, reasoned consideration has given way to hysterical reactions. The argument goes like this; our dark screens of the Libyan night-sky are being light up by the dull glow of cruise missiles therefore we are at war, we must be, and it’s for oil, it must be.

21.03.2011

Aktuelle Presseschau: Stimmen und Kommentare zum Krieg in Libyen

In den westlichen Staaten, nicht nur in Deutschland, wird zur Zeit eine Debatte über Berechtigung, Sinn, Zweck und Risiken der westlichen Militärintervention in Libyen geführt. Deutschland hatte sich bei der Abstimmung über die zugrundeliegende UN-Resolution (Auszüge hier) enthalten.

Aktualisiert um 22.38 Uhr.

Warten auf Wunder in der Wüste: Die Briten und der Krieg
(Alexei Makartsev, blog.rhein-zeitung.de / 21.03.2011)
Es ist ein schwieriger Krieg. Natürlich hat der Despot in Tripolis aus Bosnien, dem Irak, Afghanistan und anderen Konflikten gelernt. Es gibt genügend Fanatiker um ihn herum. „Odyssey Dawn“ wird uns noch lange beschäftigen. Die angebliche arabische Einheit gegen Gaddafi ist eine Fata Morgana. Die Ressourcen der Koalition sind begrenzt. Es ist unmöglich, mit Raketen die Regierungstruppen zu bekämpfen, die sich in Misurate, Sirte und anderen Städten verschanzt haben. Es wird kein Wunder in der Wüste geben. Oder doch? Ich würde mich so gerne täuschen.


FR-Interview mit dem Politikwissenschaftler Volker Perthes: „Libyen wird gespalten sein“
(Michael Hesse, fr-online / 21.03.2011)
Man kann nur davor warnen, sich in einen Bürgerkrieg zu involvieren. Nicht nur, weil dies militärisch schwierig ist, sondern auch, weil es in Bürgerkriegen häufig wechselnde Frontverläufe und Parteien gibt, die vergleichsweise opportunistisch sind und mit der Herstellung einer rechtsstaatlich-demokratischen Ordnung wenig zu tun haben.


Questions autour de l'intervention en Libye
(Pierre COCHEZ et Agnès ROTIVEL, la-croix.fr / 21.03.2011)

Is Muammar Gaddafi a target? PM and military split over war aims
(Patrick Wintour and Ewen MacAskill, guardian.co.uk / 21.03.2011)David Cameron says Libyan leader may be a legitimate target while Chief of the Defence Staff said he was 'absolutely not'.

Kommentar zu Libyen
(Neue Osnabrücker Zeitung / 21.03.2011)

Die arabische Rolle bleibt symbolisch
(Astrid Frefel, standard.at / 21.03.2011)
Der schwammige Entscheid der Arabischen Liga zur Flugverbotszone über Libyen macht jetzt Probleme bei der Umsetzung - Noch macht man mit, aber der Präzedenzfall beunruhigt viele arabische Staatschefs.

Libye: Doit-on déclarer la guerre pour pouvoir la faire?
(Cécile Dehesdin, slate.fr / 21.03.2011)
La France avait-elle besoin de déclarer la guerre avant de pouvoir participer aux opérations militaires en Libye, mandatées par le Conseil de sécurité des Nations unies? Et la résolution de l’ONU est-elle une déclaration de guerre?

Die SPD, Westerwelle und der Libyen-Krieg: Kakophone Führung im Willy-Brandt-Haus
(Majid Sattar, FAZ.net / 21.03.2011)
Die SPD-Spitze ist nicht in der Lage, ihre Abgeordneten auf eine einheitliche Linie zu Libyen einzuschwören. Die Absicht, das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten, weicht der Kalkulation, dass Schwarz-Gelb auf allen Feldern attackiert werden müsse.

Diese Intervention ist durch nichts zu rechtfertigen
(Michael Walzer, standard.at / 21.03.2011)
An der Intervention in Libyen stimmt so vieles nicht, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.


Analyse zu Deutschlands Verzicht auf einen Militäreinsatz in Libyen: Mit leichter Hand gestrichen
(Holger Schmale, fr-online / 21.03.2011)
Kanzlerin Merkel imitiert in Libyen, was sie Schröder im Fall Irak vorwarf. Sie sucht den Sonderweg und scheut den Militäreinsatz – mit Blick auf die Wähler.

Wieder nicht überzeugt
(Hans Monath, tagesspiegel.de / 21.03.2011)
Manchmal scheint sich Geschichte doch zu wiederholen. Mit ihrer Enthaltung im UN-Sicherheitsrat zur Libyen-Resolution hätten Angela Merkel und Guido Westerwelle Deutschland außenpolitisch isoliert, werfen SPD und Grüne der Kanzlerin und dem Außenminister nun vor. Es ist nur wenige Jahre her, dass die nun Kritisierten den Umgang eines SPD-Kanzlers mit dem UN-Gremium mit den gleichen Worten scharf verurteilten.

Pour ou contre l'intervention en Libye?
Meinungsforum auf libération.fr

Libyen: Strategie der Aufständischen Verloren in der Wüste
(Tomas Avenarius, sueddeutsche.de / 21.03.2011)
Die libyschen Rebellen sind nicht militärisch trainiert, haben keine Kommandostruktur und nur leichte Waffen. An Motivation mangelt es ihnen hingegen nicht. Der Bürgerkrieg könnte lang und hässlich werden.

Obama’s disastrous U.N. resolution
(Marc A. Thiessen, washingtonpost.com / 21.03.2011)
It tells you everything you need to know about Barack Obama’s worldview that he sought authorization from the United Nations, and not from Congress, before launching military action in Libya. (The fact is, as commander in chief, he required neither.) But putting aside the president’s obeisance to an international body over one representing the American people, the U.N. resolution he secured could prove to be a disaster for the Libyan people and American national security.

Libye: Gilles Kepel et Bernard Rougier décodent la situation
(ActuaLitté / 21.03.2011)
Face à la complexité de ce qui se produit actuellement sur le pourtour méditerranéen jusqu’au Moyen-Orient, il faut se refuser à toute simplification. Rien ne doit être analysé avec un regard occidental.

Sünde oder Pflicht?
(domradio.de, 20.03.2011)
Richtig oder falsch? Zu spät oder zu früh? Sünde oder Pflicht? Der Militäreinsatz der Vereinten Nationen in Libyen spaltet auch Kirchenvertreter weltweit. domradio.de dokumentiert die wichtigsten Stimmen.

Opinion: In Libya, an unstated mission
(Andy Green, baltimoresun.com / 21.03.2011)
The allied military strikes in Libya may well be, in British Prime Minister David Cameron’s formulation, “necessary, legal and right.” It is clear that Libya’s rebel movement would soon have collapsed without foreign help. The resolution authorizing force by the United Nations provides a legal basis for the action, and the mercilessness with which Libyan leader Moammar Gadhafi was training his military forces against his own people made it right. But that leaves other crucial questions, primarily: What is our objective, and can we achieve it through airstrikes alone?

Presseschau zur Libyen-Position: "Wir wissen nicht, wofür Deutschland steht"
(Oliver Sallet, SPIEGEL-Online, 21.03.2011)

Angriffe auf Libyen: Planlos in die Dämmerung
(Florian Güßgen, stern.de / 21.03.2011)
Die Kampfjets fliegen, die Bomben explodieren. Der Westen hilft den libyschen Rebellen und attackiert Diktator Gaddafi. Nur: Wie kommen die Angreifer da wieder raus? Drei Szenarien.

Fragen und Antworten zu Libyen: Ein Krieg ohne klare Erfolgsgarantie
(GODEHARD UHLEMANN, rp-online.de / 21.03.2011)
Der Weltsicherheitsrat hat angeordnet, eine Flugverbotszone über dem nordafrikanischen Libyen einzurichten und Machthaber Gaddafi davon abzuhalten, die eigene Bevölkerung zu bombardieren. Der Einsatz läuft auf Hochtouren. Er ist mit einer Fülle an militärischen und politischen Risiken behaftet.

Krieg in Libyen: Allianz der unterschiedlichen Motive
(sueddeutsche.de / 21.03.2011)

Wer A sagt ...
(Otfried Nassauer, freitag.de / 21.03.2011)
Frankreich übernimmt die Führung eines Angriffs auf Libyen, dessen Fortgang ungewiss ist: Werden am Ende doch Bodentruppen gebraucht, um Gaddafis Macht zu brechen?

Kommentar: Libyen - Deutscher Eiertanz
(Elisabeth Zoll, Südwest Presse / 21.03.2011)
Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass", unter dieses Motto lässt sich derzeit die deutsche Außenpolitik stellen. Es ist noch nicht lange her, da tönte Außenminister Guido Westerwelle (FDP), man stehe an der Seite der Freiheitsbewegungen in der arabischen Welt. Ganz so, wie es sich für die von ihm proklamierte "werteorientierte Außenpolitik" gehörte. Was folgte, war ein Eiertanz.

Leitartikel: Bomben für die Demokratie
(suedkurier.de / 21.03.2011)
Als die ersten Bomben auf Libyen fielen, saß die Nato noch beim Tee. Als die ersten Besatzungen an Bord der französischen, britischen und amerikanischen Militär-Jets auf den Auslöser drückten, eierte die Allianz noch rum, weil man bis dahin keinen Konsens gefunden hatte.Das größte und wichtigste Militärbündnis der Welt zeigte sich – zahnlos?

Krieg schafft keinen Frieden: Friedensbewegung protestiert gegen Bombardierungen
(Neues Deutschland / 21.03.2011)
An verschiedenen Orten Deutschlands wurde am Wochenende Protest gegen die Bombardierung libyscher Städte durch westliche Staaten deutlich. Es gab Mahnwachen und Protesterklärungen.

Libyen-Krise: Obamas Morgendämmerung
(Klaus-Dieter Frankenberger, FAZ.net / 21.03.2011)
Der amerikanische Präsident wollte diesen Krieg gegen das Gaddafi-Regime nicht. Doch ein Abschlachten der Aufständischen in Libyen konnte er nicht zulassen. Mit rhetorischen Kunstgriffen versucht Obama nun den Vergleich mit dem Vorgehen Bushs im Irak zu vermeiden.

Target in Libya Is Clear; Intent Is Not
(HELENE COOPER and DAVID E. SANGER, nytimes.com / 20.03.2011)
All the deliberations over what military action to take against Col. Muammar el-Qaddafi of Libya have failed to answer the most fundamental question: Is it merely to protect the Libyan population from the government, or is it intended to fulfill President Obama’s objective declared two weeks ago that Colonel Qaddafi “must leave”?

Kommentar: Berlin verliert die Führungsrolle
(Thomas Wels, derwesten.de / 20.03.2011)
Es ist atemberaubend, mit welcher Geschwindigkeit Schwarz-Gelb jahrzehntelang geltende Werte beiseitefegt. Der Beschluss, sich in der Libyen-Frage nicht an die Seite der westlichen Allianz und arabischen Staaten, sondern an die Chinas und Russlands zu stellen, ist eine verstörende Volte der Berliner Regierung – aber mitnichten ihre erste.  

Nicolas Sarkozy en «chef de guerre»
(Charles Jaigu, lefigaro.fr / 22.03.2011)
Emporté par sa conviction, le président a mené l'offensive diplomatique avant de prendre la tête de la coalition.


Libyen ist nicht gleich Tunesien und Ägypten
(Umar Tall, afrikanet.info / 18.03.2011)
Im UNO-Sicherheitsrat wurde beschlossen, dass die „Weltgemeinschaft“ in Libyen Kriegspartei  werden darf und zugunsten den Rebellen in der Cyrenaika militärisch eingreifen wird. Dass ein Teil der Rebellen eine militärische Offensive starteten und als Lynchmob Jagd auf GastarbeiterInnen aus afrikanischen Nachbarländern machte, scheint das Bild nicht zu trüben. Die „Arabische Liga“ befand, dass die Ex-Kolonie Libyen von Ex-Kolonialmächten diszipliniert werden müsse. Selbst Saudi Arabien stimmte in der AL für ein Eingreifen, während es selber Truppen nach Bahrain schickte um die DemonstrantInnen in Schach zu halten.

09.03.2011

Presseschau: Nachtrag zum Weltfrauentag

Deutschland: „Vorm Herrgott simmer gleich“
Füsun I., die erste türkische Karnevalsprinzessin in Deutschland, spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über die Erfahrungen ihrer bisherigen Amtszeit, die Reaktionen in der Türkei auf ihre Tätigkeit und deutsch-türkische Klischees.

Muslimische Mädchen und junge Frauen in der aktuellen Jugendliteratur: Vier Autorinnen und ihre Werke
So unterschiedlich wie die Ansichten über das alltägliche Leben muslimischer Mädchen und junger Frauen mit und ohne Kopftuch sind, so vielstimmig und lebensnah sind die Romane und Sachbücher, die über sie geschrieben werden.

Die Avantgarde-Künstlerin Ré Soupault (Ausstellung Kunsthalle Mannheim)
Soupaults fotografisches Werk, das zwischen 1934 und 1952 auf Reisen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, Norwegen, Finnland, den USA und Tunesien mit einer 6x6- und 4x4-Rolleiflex-Kamera und einer Leica entstand, ist von enormer Vielfalt. Da gibt es etwa die vollendet komponierten Arbeiten aus dem „Quartier résérvé“, dem „verbotenen Viertel“ von Tunis, würdevolle Bilder aus einer Tabu-Zone: Soupault zeigt hier, wirklichkeitsgetreu und sozial couragiert, verstoßene, rechtlose Frauen vor ihren ärmlichen Häusern, die sich ihren Lebensunterhalt nur durch Betteln oder Prostitution verdienen können.

International: Der unvermeidliche Frauenaufstand
Bei den Revolten in Nordafrika und im Nahen Osten sind Frauen aktiv beteiligt: als Koordinatorinnen, Internet-Aktivistinnen und auf den Straßen. Das ist das Resultat eines Modernisierungsprozesses.

Revolution der Frauen
Es ist offen, wie viele Herrscher der "wind of change" noch hinwegwehen wird. Eins aber ist jetzt schon klar: Nur wenn die Reformer auch die anhaltende Diskriminierung von Frauen in der arabischen Welt abbauen, kann es gelingen, die verschütteten Entwicklungspotenziale der arabischen Welt zu heben.

Feminismus im Islam: Jung, gläubig und emanzipiert
Muslimische Frauen werden in der Öffentlichkeit vor allem als Opfer betrachtet. Viele von ihnen wehren sich gegen dieses Bild – sie sehen sich als Feministinnen in der Tradition des Propheten Mohammed.

Vous avez dit féministe et musulmane?
Quarante ans après la constitution du Mouvement de libération des femmes, le féminisme pourrait-il trouver un nouveau souffle, avec d’autres protagonistes et dans un autre contexte?

Business.com: 100 Most Powerful Arab Women 2011

The Arab Woman You Don't See (by Queen Noor of Jordan)
On this anniversary of International Women's Day, almost a century since those Arab feminists raised their voices, it is time for women everywhere to take their proper place beside men as equal parents of new societies born in democracy and justice.

Marokko: Die Caférevolution
Marokkanische Frauen kämpfen für ihren Platz in den Straßencafés des Landes – trotz reformierten Familienrechts noch immer eine Männerdomäne. Das Goethe-Institut Rabat unterstützt die Gleichberechtigung im öffentlichen Raum mit performativen Interventionen unter dem Titel „Happy Hour“. In Rabat, Salé und Casablanca ist die Café-Präsenz der Frauen bereits erfolgreich erprobt worden. Zum Internationalen Frauentag am 8. März und jeden Monat einmal werden nun zeitgleich in mehreren Städten rund um das Mittelmeer Tische für die „Happy Hour“ bereitgestellt.

Tunesien: Frauen an die Macht

Feminismus in Tunesien: Die Frauen der Revolution
Sie gelten als stark, modern und selbstbewusst - tunesische Frauen haben die Macht des Autokraten aller Autokraten aktiv bekämpft. Nun lassen sie sich nichts mehr wegnehmen.

Ägypten: »Von Gender-Fragen sind wir noch entfernt«
Aida Saif al-Dawla gründete 1984 das New Woman Research Center, die einzige ägyptische Institution, die sich in den vergangenen Jahrzehnten für Frauenrechte eingesetzt hat. Sie ist Mitgründerin des Nadim-Zentrums für psychologische Betreuung von Opfern von Gewalt, das sich um Opfer von Folter und häuslicher Gewalt kümmert. 2003 wurde al-Dawla von Human Rights Watch geehrt für ihren Einsatz ­gegen Folter und für Frauenrechte.

Women Fight to Maintain Their Role in the Building of a New Egypt

How Egyptian Women Took Back the Street Between Two “Black Wednesdays”: A First Person Account

Imperial Feminism, Islamophobia and the Egyptian Revolution

The Marriage of Sexism and Islamophobia
I find myself intermittently infuriated and nauseated by the news coverage of the sexual assault on a female CBS reporter in Tahrir Square during the celebrations the day that Husni Mubarak resigned. This coverage has ranged from the disappointing silence of Al-Jazeera to the blatant racism of Fox News.

Frauentag in Ägypten: Die Revolution ist ihre Chance
Zum ersten Mal findet der Frauentag in Kairo auf der Straße statt. Die Aktivistinnen fordern auf dem Tahrir-Platz, dass sich jetzt endlich auch für sie etwas ändert. 

Women's demo outlines controversial demands
In celebration of the 100th International Women’s Day, a group of women’s rights activists organized a One Million Women March this afternoon at the heart of the Egyptian capital, Tahrir Square. The turnout did not exceed a few hundred people, which Aalam Wassef, one of the organizers of the march, concedes matched their expectations.

Egypt's female authors write history, and their future

Irak:  Nordirakerinnen zwischen Gewalt und Reform
Auf den ersten Blick hat sich viel getan für die Frauen im Nordirak: Fast ein Drittel der Abgeordneten in irakisch Kurdistan sind Frauen. Doch noch immer ist die Anzahl der Ehrenmorde und der Selbstverbrennungen hoch.

Jemen: A woman leading change in Yemen
Journalist Alice Hackman, who recently returned to London after two years as reporter and Features Editor for The Yemen Times in Sana’a examines the role that female activists, particularly Tawakkul Karman, are playing in Yemen's protests, highlighting the importance of women's activism in Yemen's uncertain future.

Bahrain: Personal Revolutions: One Woman's View from the Bahrani Frontline
Since February 14th 2011, Bahrain has been experiencing a massive popular uprising in which large numbers of women from different socio-economic, political and religious backgrounds have taken to the streets to demand greater rights, freedom and democracy.

Dubai: "Wir profitieren von Ägypten"
Ebtissam al Khitbi, Politikdozentin an der Universität der Vereinigten Arabischen Emirate, ist Dubais bekannteste Aktivistin für Demokratie und Frauenrechte. Die Umwälzungen in Tunesien und Ägypten sowie die Revolten in Bahrain, Libyen und im Jemen geben ihr neue Hoffnung.

Oman: Männerquote an der Universität im Sultanat Oman
Inzwischen liegt die Alphabetisierungsquote der jungen und mittleren Generation mit der in Deutschland auf Augenhöhe. An der Universität musste eine Männerquote eingeführt werden und der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist deutlich höher als in Deutschland - auch die omanische Botschaft in Berlin wird von einer promovierten Frau geleitet.

03.03.2011

Aktuelle Presseschau: Revolutionen in der arabischen Welt

Die Gesellschaften in Tunesien und Ägypten ringen um die Einrichtung neuer politischer und staatlicher Strukturen, der Aufstand in Libyen hat sich festgefahren und die gegenwärtige Situation läßt einen längeren Konflikt zwischen dem Gaddafi-Regime und den freien Libyern im Osten des Landes befürchten. Doch weil die Ereignisse Teil einer größeren und wohl noch lange nicht abgeschlossenen Umwälzung in der arabischen Welt sind, wird in den westlichen Medien weiterhin diskutiert, welche Signifikanz der "arabische Frühling" für die arabischen Länder, aber auch für Europa, die USA und Israel hat. Dabei wird auch analysiert, welche Möglichkeiten der Demokratisierung in der arabischen Welt vorhanden sind und in welche Richtungen sich die post-revolutionären Staaten Tunesien und Ägypten entwickeln könnten:

L'Iran, la révolte arabe et le Proche-Orient de demain
(lemonde.fr / Alain Frachon / 03.03.2011)
Question de realpolitik, pas lyrico-sentimentale: quel Proche-Orient demain? A quoi ressemblera la région quand s'apaisera le vent de tempête qui y souffle depuis bientôt deux mois et demi? Réponse entendue, parfois, à Washington, et, souvent, à Jérusalem: "Tout cela, c'est bon pour l'Iran." Ce qui sous-entend que ce n'est pas très bon pour l'Amérique et encore moins pour Israël ...

Demokratie in Arabischen Staaten: „Die Scharia ist kein feststehender Kodex“
(fr-online / 03.03.2011)
Die Berliner Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über die Möglichkeiten demokratischer Ordnungen in der arabischen Welt, und auch darüber, dass und wie Menschenrechte von der Scharia ableitbar sind.

Revolutionen im Nahen Osten: Arabische "Republiken der Angst" am Ende?
(qantara.de / 03.03.2011)
Die jüngsten Proteste in der arabischen Welt zeigen, dass militärische Abschreckung allein die Demonstranten nicht mehr in Schach halten kann. Doch wie lange können sich autokratische Systeme dann überhaupt noch halten? Birgit Kaspar informiert aus Beirut.

Révolutions dans le monde arabe: Des lendemains incertains
(lexpressiondz.com / Othmane Siddik / 03.03.2011)
La Tunisie a montré la voie, l’Egypte a suivi, imitée par la Libye alors que nombre d’autres pays arabes se sont engouffrés dans la brèche ainsi ouverte. Mais la révolution peut-elle aller loin sans tête pensante, sans organisation?

«Paris hat viel Kredit verloren»: Ein Gespräch mit dem Politologen und Islam-Experten Olivier Roy
(NZZ-Online / 03.03.2011)
Nach dem 11. September 2001 wurde der Islam in Frankreich – wie in so ziemlich allen europäischen Ländern – zum Feindbild aufgebaut. Die Perspektive war die eines «Kampfs der Kulturen»: Der Islam stelle eine Bedrohung für die europäische Identität dar und sei unvereinbar mit den Werten des Abendlands, insbesondere mit Demokratie und Säkularismus. Die Revolutionen der vergangenen zehn Wochen widerlegen diese These. ... Der vermeintliche Feind ist wie wir, er will dasselbe wie wir und ist uns alles in allem sogar wohlgesinnt – wie der Empfang der westlichen Beobachter durch die Demonstranten zeigt. Aber hierzulande ist man wenig bereit zuzugeben, sich geirrt zu haben. Lieber unterstellt man den Protestierenden verwinkelte Hintergedanken, wähnt die Hand der Islamisten im Spiel, die insgeheim danach trachteten, die Macht an sich zu reissen.

Diskussion um arabische Revolution
(rp-online / Martin Oberpriller / 03.03.2011)
Bei einer Podiumsdiskussion in der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf wurde über die Umbrüche in der arabischen Welt und die Rolle des Westens teils kontrovers diskutiert. Während die Aussichten für Tunesien und Ägypten optimistisch bewertet wurden, gab die Lage in Libyen Anlass zur Sorge.

The New Arab World Is Coming, With or Without the U.S.
(Huffington Post-Blog / Cynthia P. Schneider & Nadia Oweidat / 02.03.2011)
The Arab world is marching toward democracy, with or without the United States. To be relevant to the breakneck changes rocking the Middle East, the U.S. first needs to reexamine its foreign policy and its narcissistic definition of its security. A free and democratic Arab world aligns with America's security interests. There is still time to change the perception of the United States as a place that utters sweet words of democracy but supports dictators -- as it has throughout the lifetimes of the young Arab leaders.

The Fabric of Democracy
(jadaliyya.com / Maryam Monalisa Gharavi / 02.03.2011)
In "Rogues", his 2003 volume on rogue states, Jacques Derrida looked to Plato's Republic in order to assess the Grecian syntagma of democracy as ‘democracy to come.’ Passages from the Republic referring to ‘democratic man and his freedoms’ hold special relevance; Derrida used it to examine the rise of Islamism in Algeria but I would like to focus on the relationship between clothing, democracy and Egypt’s former president Hosni Mubarak and Libya’s embattled ... al-Gaddafi. The Greek origin of aesthetics ... was largely indistinguishable from perception and perceptible things ..., and did not come to signify beauty or adornment until the relatively recent 18th century. A re-historicized rendering of the garments of despots might yield greater insight into the seduction and valor of democracy through its aesthetics or perception.

Die Militär-Hochburgen der Welt
(bazonline.ch / 02.03.2011)
Der Militarisierungsindex zeigt die am höchsten militarisierten Regionen der Welt. Der Befund: Die gegenwärtigen Unruhegebiete in der arabischen Welt sind auch aus militärischer Sicht ein Pulverfass.

Der magische Funke: Die Kunst der Revolution
(br2 / Rainer Volk / 01.03.2011)
Im antiken Griechenland sprach die Menschen vom "Kairos" dem günstigen Moment für ein Ereignis. Gilt das auch für Revolutionen? Die Umsturz-Welle in Nordafrika wirft die Frage auf nach den Mechanismen großer Umbrüche. Hat Paris 1789 etwas mit Kairo 2011 gemeinsam?

Brodelnde Nachbarschaft: Europa und die Umbrüche in der arabischen Welt

(dradio.de / Michael Stürmer / 01.03.2011)
Manchmal fällt die Geschichte mit der Tür ins Haus, ein ungebetener Gast, und jeder Status quo geht zu Bruch. Und so geht es auch heute, wenn die Europäer von ihren südlichen Küsten gen Süden und Südosten schauen.

Choc des civilisations ? La fin d'une fiction…
(lemonde.fr / Abdennour Bidar / 01.03.2011)
Adieu M. Moubarak. Mais surtout, surtout, Adieu M. Huntington ! Essayons de nous souvenir de l'expression que vous utilisiez en cette fin du XXe siècle qui paraît déjà si loin… C'était bien "le choc des civilisations", n'est-ce pas ? L'oraison funèbre de votre thèse vient d'être prononcée par l'événement en marche des révolutions arabes, Egypte et Tunisie. Les concepts aussi doivent mourir un jour, surtout quand ils sont faux.

Rechtspopulismus und Revolution: Rechts herrscht Ruhe
(theeuropean.de / Benjamin Dürr / 28.02.2011)
= Islam-Kritiker schweigen:Rechts herrscht Ruhe
(derstandard.at / Benjamni Dürr / 28.02.2011)
Von Islam-Kritikern wie Geert Wilders in den Niederlanden, Henryk M. Broder oder Ayaan Hirsi Ali ist gegenwärtig wenig zu hören. Die Revolutionen in den arabischen Ländern lassen ihr Weltbild wanken – eine Antwort haben sie auf die veränderte Welt noch nicht gefunden.

Internet in der arabischen Welt: Brodeln im Netz
(sueddeutsche.de / T. Neshitov & J. Rubner / 26.02.2011)
Es waren keine Internet-Revolutionen, die in den vergangenen Wochen in der arabischen Welt passierten - aber ohne das Internet hätte es wohl kaum eine von ihnen gegeben. Soziale Netzwerke und Blogs haben den Aufruhr entscheidend beeinflusst.

25.02.2011

Aktuelle Presseschau: Arabische Revolution / Islam-Debatte

Neben den tragischen Ereignissen in Libyen waren in den letzten Tagen weiterhin die allgemeinen Entwicklungen in der arabischen Welt Hauptthemen in westlichen Medien. Und seit der jüngsten Publikation von Patrick Bahners' Buch Die Panikmacher (München: C.H. Beck Verlag) und dem Angriff von Necla Kelek auf die Islam-Äußerungen von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist auch die innerdeutsche Islam-Debatte neu entbrannt.


Revolutionen in der arabischen Welt

Bertrand Badie : "Les sociétés prennent leur revanche en Tunisie, Egypte et Libye"
(Le Monde / 23.02.2011)

The project for a new Arab century:
The birth pangs of a new Middle East are being felt, but not in the way many outsiders envisioned
(Aljazeera.net / Mohammed Khan /  22.02.2011)

Machtstrukturen in Libyen: Zerrissene Stammesbande
(FAZ.net / Hans-Christian Rößler / 22.02.2011)

Auf den ersten Blick gleicht Libyen seinen nordafrikanischen Nachbarländern Tunesien, Ägypten und Algerien. Doch in Gaddafis Wüstenstaat haben sich viel stärker als in den Nachbarländern traditionelle Strukturen erhalten – und sie spielen in Krisenzeiten eine noch größere Rolle.
Unruhen in Bahrain: "Wir sind alle Bahrainis – keine Sunna, keine Schia!"
(qantara.de / 22.02.2011 / Sabine Damir-Geilsdorf)
In Bahrain spitzt sich der Konflikt zwischen der Opposition und der von der sunnitischen Königsfamilie beherrschten Regierung weiter zu. Mittlerweile sind auch Aufrufe zum Sturz der Monarchie zu hören. Über die historisch bedingten Ursachen für das Aufbegehren der Bevölkerung informiert Sabine Damir-Geilsdorf.
The Arab Revolts: Ten Tentative Observations
(jadaliyya.com / Mouin Rabbani / 21.02.2011)

Robert Fisk: These are secular popular revolts – yet everyone is blaming religion
(The Independent / 20.02.2011)
Our writer, who was in Cairo as the revolution took hold in Egypt, reports from Bahrain on why Islam has little to do with what is going on.
Umbruch in der arabischen Welt: Der Westen muss auf seinen Orient verzichten
(tagesspiegel.de / Caroline Fetscher / 20.02.2011)
Linke wie rechte Mythen von der arabischen Welt zerfallen, seit Millionen junger Menschen dort aufbegehren. Die neue Fremde verstört - die alte war so schön vertraut.
Paris, Jerusalem, Algier: Der Nahe Osten im Umbruch und das Schweigen der Intellektuellen
(WELT-Online / 19.02.2011 / Sascha Lehnartz, Michael Brogstede & Boualem Sansal)



Islam-Debatte / Kritik der Islamkritik

Patrick Bahners "Die Panikmacher": Wider die Sarrazin-Methode
(fr-online / 23.02.2011 / Christian Schlüter)
Die Islamkritik verspricht wenn schon nicht Aufklärung, so doch immerhin Aufregung und Auflage: Dieser Tatsache geht Patrick Bahners in seiner hervorragende Analyse „Die Panikmacher“ kühlen Kopfes auf den Grund - und legt sich mit hauptamtlichen Islamophoben an.
Islam-Debatte: Das ist Rechtskulturrelativismus
(FAZ.net / Mathias Rohe / 22.02.2011)
Geheimkommando Scharia-Import? Die Legende vom heimlichen Umbau des Rechtssystems gehört zu den Erfindungen der Islamkritik. Der Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe antwortet auf Necla Kelek.
Der Mann, der gegen Islamkritiker zu Felde zieht
(WELT-Online / 22.02.2011 / Alan Posener)

Islamkritik: Lust an der Herabsetzung
(ZEIT-Online / 21.02.2011 / Thomas Assheuer & Ijoma Mangold)
In seinem Buch "Die Panikmacher" warnt Patrick Bahners vor hysterischem Alarmismus. Ein Gespräch über Staat, Gesellschaft, Glauben und Islam.
Islamkritiker: Die Panikmacher
(FAZ.net / 16.02.2011 / Patrick Bahners)
Muslime können Revolutionen machen. Das hat die Welt gesehen. Muslime können keine Demokraten werden. Das redet uns die Islamkritik ein.

17.02.2011

"Die Nichte eines Schopfheimers"


In den letzten Tagen und Wochen finden sich in deutschen Lokalzeitungen zahlreiche "Erlebnisberichte", die von der ägyptischen Revolution handeln. Dabei kommen Deutsche zu Wort, die beruflich in Ägypten tätig waren oder noch sind. Der Tenor der jeweiligen Berichte reicht von sensationalistisch bis sachlich, doch nicht selten erfährt man interessante Dinge am Rand der "großen Politik".

14.02.2011

Aktuelle Presseschau zum Thema "Internet-Revolution"

Über die Rolle der "sozialen Netzwerke" im Internet für die Revolutionen in der arabischen Welt wird in den westlichen Medien weiterhin kontrovers diskutiert:

"Die Ägypter wollen dasselbe wie wir" (welt.de / 14.02.2011 / Mara Delius)
Der Kulturwissenschaftler Jan Assmann über ein Land im Umbruch: Wie sehr wird das neue Ägypten durch die Bilder der Antike verstellt, wie viel bedeutet den Ägyptern selbst ihre Vergangenheit? Jan Assmann, renommierter Ägyptologe und Begründer der Theorie des kulturellen Gedächtnisses, hat sich sein wissenschaftliches Leben lang mit solchen Fragen beschäftigt.

Auszug: "Das ist der interessanteste Aspekt an der Situation in Ägypten. Menschenrechte sind Angelegenheit des öffentlichen Bewusstseins und Teil eines universalen Rechtsgefühls, auch in jenen Ländern, in denen Unterdrückung herrscht. Wer uns das vorgemacht hat, ist Gandhi. Dessen Aktivismus appellierte an das Rechtsbewusstsein der Engländer. Jetzt ist der Adressat die gesamte Weltöffentlichkeit. Mittlerweile bieten Facebook, Twitter und die Handyfotografie ganz neue Möglichkeiten, so ein Regime vor der ganzen Welt an den Pranger zu stellen. Früher war die Information der Öffentlichkeit eine Sache des Staatsfernsehens. Die Weltöffentlichkeit blickte da nicht durch, und die Machthaber konnten machen, was sie wollten. Jetzt kann sich auch der Westen nicht mehr erlauben, sich einfach dumm zu stellen. Deswegen finde ich solche Medien großartig."

Post-revolution, Facebook's political relevance in Egypt endures
(almasryalyoum.com/en / 14.02.2011 / Valentina Cattane)
Much has been written about how the success of Egypt's recent revolution showed how social networking website Facebook represents a threat to entrenched, authoritarian governments throughout the world. More recently, however, Facebook has taken on an additional role as a space in which to convene and discuss how to build a nation’s future. What Facebook has managed to accomplish was to make those traditionally disinterested in politics increasingly engaged in it through online discussions.

Young Arabs who can't wait to throw off shackles of tradition (guardian.co.uk / 14.02.2011 / Jack Shenker, Angelique Chrisafis, Lauren Williams, Tom Finn, Giles Tremlett, Martin Chulov)
The frustrated generation at the heart of the protests tell how their progress is being stifled by unemployment and corruption.
Auszug: "The wave of Arab protest has acquired some lazy epithets: the WikiLeaks revolution, the Facebook uprising, the Twitter revolt. In reality, it's more complex than that. But social media does play a big role in the lives of young Arabs. Some estimates put at more than 100 million the number of new media users across the Arab world. In Tunisia, around one in five young people use Facebook. To circumvent the state's cyber-oppression, finger-length memory sticks, which allowed users to connect to the internet anonymously, began being distributed by local Pirate party activists. Blocked sites suddenly became accessible, and a virtual veil protected those sharing images, videos and information on the ground."

Revolution nach Plan (FAZ.net / 14.02.2011 / Rainer Herrmann)
Die Initiatoren der Proteste in Ägypten hatten sich zuvor mit Mitstreitern aus Tunesien und einer Gruppe von erfahrenen Aktivisten in Serbien beraten - vor allem über das Internet. Sie folgten einer über lange Zeit entwickelten Strategie.

Facebook-Revolte - Die Ägypter haben es vorgemacht (tagesspiegel.de / 14.02.2011 / Andreas Pflitsch)
Das Internet sorgt für eine Vielfalt der Meinungen. Welche Rolle den neuen Medien in Nordafrika zukommt, wurde nun auf einem internationalen Workshop am Berliner Zentrum Moderner Orient diskutiert.

Une blogueuse syrienne condamnée à cinq ans de prison (Le Point.fr / 14.02.2011)
Agée de 19 ans et arrêtée en décembre 2009, Tal Al-Mallouhi est accusée d'intelligence avec un pays étranger.

Gutenberg In The Middle East (theatlantic.com / 14.02.2011)
"After Mubarak left, [Google's Wael] Ghonim said on CNN that he wanted to meet Mark Zuckerberg to thank him for Facebook and the ability to make that page. After the Reformation in Europe, Martin Luther thanked Johannes Gutenberg. Printing, he said, was "God's highest and extremest act of grace." Good revolutionaries thank their tools and toolmakers. ..."
La révolution Facebook en marche (lemonde.fr / 14.02.2011 / Marie Ansquer)
Voilà l’Égypte libérée de son tyran. Moubarak est parti. En deux mois, deux dictateurs ont été délogés de leur palais. Un clou chassant l’autre, le risque de contagion est bien réel. Les réseaux sociaux sur internet n’ont pas encore terminé leur travail de libérateurs du monde.

Die „Facebook-Revolution“ – Gedanken zum Einfluss des Internets auf politische Umbrüche (carta.info / 14.02.2011 / Christoph Kappes)
Wenn Diktatoren fallen und Demonstranten Facebook feiern, wenn US-Politiker anonyme Facebook-Accounts fordern und Angela Merkel Twitter lobt, wird es Zeit, die Dinge zu sortieren. Eine ausführliche Reise durch das Themendreieck Netz, Politik & Bürger mit drei kleinen Rant-Bemerkungen.

Den Anfang machte Ägyptens «Facebook-Girl» (aargauerzeitung.ch / 13.02.2011 / Christian Nünlist)
Die «Jugendbewegung 6. April» von Israa Abdel-Fattah steht hinter dem Sturz von Despot Hosni Mubarak . Die Bloggerin war die erste Frau, die in Untersuchungshaft wegen politischer Agitation war.

Revolution online: Arabiens Freiheit kommt aus dem Netz (Zeit-Online / 12.02.2011 / Gero von Randow)

UN Secretary Rice On Facebook And Twitter: “Governments Are Increasingly Cognizant Of Their Power”
(techcrunch.com / Alexia Tsotsis / 12.02.2011)
The outcome of today’s events in Tahrir Square is still “to be continued,” and the scope of influence of Twitter and Facebook on the protests in Egypt, Tunisa, Yemen and now Syria is subject to endless debate. But Rice is right, there’s no denying that social media has a powerful effect on social movements, but as to its exact magnitude we can only begin to speculate, fittingly, hopefully, on Twitter.

YouTube, star de la Tunisie d’après Ben Ali (tekiano.com / 11.02.2011)
Des sites web auparavant censurés en Tunisie, se sont déjà hissés à tête du classement établi par Google. Selon le géant de Mountain View, YouTube se classe à la seconde place juste derrière le terme Ben Ali.

Die Revolution der Jugend (Frankfurter Neue Presse / Susanne Keeding / 11.02.2011)
Es ist eine Revolution der Jugend. Die Generation Facebook begehrte auf gegen die Despoten, die sich selbst bereicherten, aber ihnen keine Perspektive schenkten. Und die Alten zogen mit, stolz auf ihre Kinder, die sich öffentlich zu sagen trauten, was sie selbst nur hinter verschlossenen Türen anzudeuten wagten.

Facebook, porte-voix des révoltes arabes (L'Express / Pauline Tissot / 11.02.2011)
En Egypte et en Tunisie, les manifestations se sont d'abord jouées sur le réseau Facebook. Dans le reste du monde arabe, Internet a désormais conquis les milieux d'opposants.

Forget the Facebook idealists. It's the Brotherhood we should fear (dailymail.co.uk / Richard Pendlebury / 11.02.2011)
It is clear, though, that in Cairo the new ‘Facebook opposition’ is dazzled by the prospect of change. In the background, the Brotherhood adjusts its tie, smiles, glosses over its deeply conservative Islamic core values, and waits for the door to be opened. A spokesman admitted earlier this week that religious aims had been put ‘on the back burner’.

"Ich habe nur meine Tastatur benutzt" (tagesspiegel.de / Martin Gehlen / 11.02.2011)
"Betet für Ägypten", hackte er in seine Computertastatur, und "Wir haben Angst". Auf welche Weise der Blogger Wael Ghonim zur Stimme der jungen Demonstranten wurde.

«Lügen verbreiten sich so schnell wie die Wahrheit» (tagesanzeiger.ch / Michèle Binswanger / 10.02.2011)
Was bewirken Facebook & Co. im Nahen Osten? Und wie nutzen die Machthaber sie für eigene Propaganda? Journalist und Buchautor David Bauer über die politische Bedeutung neuer Medien.

Die schöne neue Welt von Facebook: „ttt“ über eine Internetplattform in der Kritik (hr-online / 10.02.2011)
Vor allem soziale Netzwerke wie Facebook sollen dazu beigetragen haben, dass sich Hundertausende junger Menschen organisierten und zu Protestmärschen versammelten. Facebook habe das Potenzial, einen Volksaufstand zu befördern – sagt der kanadische Computerwissenschaftler David Kirkpatrick. Er gibt in seinem Buch „Der Facebook Effekt“, das jetzt auf Deutsch erscheint, spannende Inneneinsichten in das Unternehmen um den ehemaligen Studenten Mark Zuckerberg.

Ägyptische Blogger und die Proteste "Es gibt kein Zurück mehr" (sueddeutsche.de / Karin El Minawi / 09.02.2011)
Die Wut aus dem Netz: Ägyptens Blogger stehen im Zentrum der Revolte und müssen deshalb um ihr Leben fürchten. Doch einschüchtern lassen sie sich nicht - viele haben nichts mehr zu verlieren.

Revolutionskatalysator Twitter: Die 140-Zeichen-Stimme des Volkes (theeuropean.de / Firas Al-Atraqchi / 09.02.2011)
Kein Social-Media-Kanal kann eine Revolution auslösen. Doch Facebook und Twitter waren die Katalysatoren, die der entrechteten Bevölkerung in Tunesien und Ägypten eine Stimme gaben und die Massen in ihrem Kampf gegen den Status quo bestätigten.

Beschleuniger der Verzweiflung (tagesanzeiger.ch / Martin Kilian / 09.02.2011)
In den USA ist eine Debatte über soziale Netzwerke entbrannt: In welchem Ausmass fördern sie Aufstände wie in Ägypten?

Virtuelle Revolution? (dw-world.de / 08.02.2011)
Welche Rolle spielen soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter bei gesellschaftlichen Veränderungen? Kommen Revolutionen aus dem Internet?

Revolution offline: Die Umstürze brauchen kein Internet – es kann die Demonstranten sogar gefährden (ZEIT-Online / 03.02.2011 / Evgeny Morozov)


NACHTRAG 16.02.2011

Die Analyse der Social Media Revolution in der Arabischen Welt (Ägypten, Tunesien, Web 2.0)
(tobesocial.de / 16.02.2011)
Welche Rolle spielt das Web 2.0-3.0 und die Social Media Dienste wie Twitter, Youtube und Facebook bei den Protesten in der arabischen Welt? Wie haben sich die Social Medien in den letzten 3-12 Monaten im arabischen Raum entwickelt?
Die Demonstrationen und Umstürze im arabischen Raum zeigen, dass Social Media-Instrumente wie Blogs, Facebook, Youtube und Twitter eine immer größere Bedeutung für die Mobilisierung von Menschenmassen erhalten.

Facebook-Ikonographie der tunesischen Revolution - Teil II

Im folgenden einige Beispiele für Icons, die explizite politische Botschaften haben oder auf Schlüsselereignisse der tunesischen Revolution verweisen.
Arabische Begriffe und Slogans mit englischer Übersetzung.

(1) "14. Janvier 2011" = Tag der Flucht des Präsidenten Ben-Ali aus Tunesien


(2) "Sidi Bouzid" = Ort der versuchten Selbstverbrennung von Muhammad Bouazizi am 18. 12. 2010, was heute in Tunesien als symblischer Beginn der Revolution gefeiert wird.


(3a) "Revolution!"


(3b) "Revolution until Victory!"


(4) "Justice!"


(5) Verschiedene Slogans


(6) Bildbotschaften


(7) Solidarität mit den Demonstranten in Ägypten



10.02.2011

Wo bleibt Deutschland? Journalismus, Revolution und Freundschaft in Kairo

 Ein Gastbeitrag aus Kairo von Kristin Jankowski

Kristin Jankowski ist als Redakteurin für
das Goethe-Institut in Kairo tätig.
"Kommen die Deutschen bald nach Ägypten, um die Revolution zu unterstützen?”, fragt ein Schlachter in Kairos Downtown. Er trägt einen Schnauzbart, seine weißen Gummistiefel sind blutig. Er wartet grinsend auf eine Antwort. “Inshallah” ist meine Antwort. "Hoffentlich".  Er grinst: "Und was sagt denn Angela Merkel bezüglich der Situation hier?”, fragt er weiter. Roman und ich zucken mit den Schultern. “Die schläft”, lautet Romans flapsige Antwort.
Die Männer, die sich um den Schlachter herum versammelt haben, lachen auf und schütteln die Kopfe. "Es sind doch alles Bastarde", sagt einer von ihnen. Der Schlachter hat uns Kaffee gebracht. Sehr stark. Sehr lecker. Während wir auf einer Holzbank sitzen, fragt uns der Schlachter neugierig aus. Natürlich geht es nur um eines: Die ägyptische Revolution.

09.02.2011

Facebook-Ikonographie der tunesischen Revolution - Teil I

Man wird noch lange darüber diskutieren, was die sozialen Netzwerke im Internet, in erster Linie Facebook, zu den Ereignissen der letzten Monate beigetragen, ja diese vielleicht sogar ermöglicht haben.

Die übliche Verwendung von Icons in Facebook hat aber bereits zur großen Verbreitung von digitalen "Revolutions-Ikonen" geführt. Im folgenden dafür einige Beispiele: